Montag, 4. Januar 2016

Fahrzeugbeschaffung in den Philippinen

Fahrzeuge, auch ein besonderes Kapitel in den Philippinen...

Hintergrund

In den Philippinen ist man ohne Fahrzeug verloren. ÖV existiert nur marginal. Die Bahn ist ein Witz. Bleiben noch die Jeepneys inklusive Kriminalität. Bei uns hier in Nuvali gibt es zwar einen Shuttle Bus, dieser verkehrt aber lediglich nahe unserem Wohnort zu der Ayala Mall 9 Km entfernt. Dann gibt es noch die Tricycles, die dürfen aber nur auf beschränkten Routen verkehren. Um ein Fahrzeug kommt man wirklich nicht herum. In der Schweiz stand unser Wagen meist unbenutzt in der Garage und diente lediglich für Ausflüge und Shopping. Hier ist es umgekehrt...

Die Fahrzeugsuche beginnt

Unser temporäres Heim seit Anfang Dezember lag gegenüber der Ayala Mall in Nuvali. Diese Mall ist zwar einigermassen gross und hat viele Restaurants. Mit der Zeit ging uns aber die Mall auf den Wecker. Jeder kannte uns und wir kannten ebenfalls jeden Stein. Anfang Januar beschlossen wir uns nun um ein Fahrzeug zu kümmern. Nun, was war da zu beachten:
Der Fahrzeugmarkt hierzulande ist anders als in Europa. Es gibt hier wesentlich einfachere Fahrzeuge. Zwar mit etwas Elektronik versehen, aber eigentlich auf dem Stand der 70er Jahre in Europa. So ist die Euro 4 Norm das höchste der Gefühle.
Dann ist da noch der sehr dichte Verkehr und die Schlaglöcher. Bei heftigem Regen sind viele Strassen überflutet. Sämtliche Strassenborde sind daher viel höher gehalten als bei uns in Europa, damit die Wassermassen schneller ablaufen können. Dies macht die Strassen zu Flüssen.
All dies gilt es für einen Fahrzeugkauf zu beachten. Die Gegebenheiten hierzulande lassen einem keine grosse Wahl. Als nicht sehr grosser Freund von SUVs und dem Diesel Motor führten aber diese Parameter genau zu diesem Fahrzeugtyp. Er hat viel Platz, grosse Räder und Bodenfreiheit sowie moderaten Verbrauch dank Diesel. Obwohl diese Fahrzeugtypen hier ein Leergewicht von ca. 2500 Kg haben, sind sie trotzdem sehr beliebt.

Mein Plan war, einen neueren Gebrauchten zu beschaffen, da die Fahrzeuge hier ziemlich leiden (Hitze, Kratzer, Beulen, etc.)
Bald einmal kristalisirte sich ein sehr verbreiteter Autotyp heraus: Der Toyota Fortuner. Alle SUVs hier stammen von Pickup Fahrzeugen ab und werden meist in Thailand oder den Philippinen zusammengebaut. Die Ausstattungen sind zweckmässig, mit 2 getrennten Klimageräten, 2 vorderen Airbags, AntiSchlupf Regelung, 5 Gang Automatik, und meist 2 Rad Antrieb.


 Toyota Fortuner Jahrgang 2015


Also machten wir uns auf mit einem Bekannten zu der "nächsten" Toyota Vertretung, 60 Minuten entfernt. Denn ich wollte einen Gebrauchten nur über die Vertretung beschaffen. Dort angekommen erwarteten mich erst mal Dutzende von Leuten welche auf Verkäufer warteten! Endlich kam ein solches Exemplar zu uns und ich wollte die Gebrauchtwagen Ausstellung besichtigen. Meine Fragen wurden aber irgendwie nicht verstanden. Es gab stets fragende Blick zurück. Ich versuchte, mein Anliegen präziser zu erklären. Darauf brachte mich der Verkäufer in ein kleines Büro mit einem Whiteboard an der Wand. Darauf standen etwa 20 Namen mit Autos. Ich begriff nun, diese Fahrzeuge kommen nächstens herein. Nämlich dann, wenn der Neue jeweils eingetroffen ist. Alle sind bereits weiter verkauft. Ein gebraucht Lager gibt es schlicht und einfach nicht.
Frustriert verliessen wir die Vertretung.

In der Folge suchte ich tagelang Fahrzeuge im Internet. Es war mir bewusst, dass viele Fahrzeuge entweder gestohlen, oder mindestes der Tacho manipuliert wurde. Von Privatkäufen wollte ich daher absehen. Zudem stellte sich heraus, dass mein Wunschfahrzeug so beliebt ist, dass es einfach keine auf dem Markt hat.
Ich stellte auch fest, dass es ein paar sehr grosse Gebrauchtwagen Dealer gibt. Diese hatten jeweils mehrere hundert Fahrzeuge an Lager. Aber eben. Mit erhöhtem Preis da Zwischenhandel. Der geneigte Leser wird nun kaum mehr erstaunt sein wenn ich sage: Garantie gibt es selbstverständlich keine hier.

Ende Januar besuchten wir einen Grosshändler in Alabang, einem Vorort von Manila in unserer Fahrtrichtung gelegen.
Da waren sie nun, spärlich überdacht und äusserlich etwas poliert. Aber die meisten Fahrzeuge waren halt eben die unbeliebten, kleinen Limousinen. Kleine Räder, kaum Platz. Ein no go für uns. Es gab da einen Pajero Modell 2007 eines Generals. Ein robustes und (zu) geräumiges Fahrzeug. aber mit bereits 80'000 Km etwas viel auf dem Buckel. Mein Farbschichten-Messgerät zeigte zwar keinerlei Spachtel an. Aber Kampfspuren gabs natürlich viele. Innen sah das Fahrzeug ein wenig wie ein Militärfahrzeug an. Aussehrst spartanisch und viel Blech.
Dann war das noch ein weiterer Kandidat: Ein Subaru Forester 2,5 Turbo. Diese Fahrzeug stand makellos da. Jahrgang 2013, 50'000 Km. Das Auto gehörte einer Freundin eines Generals. Vermutlich wurde die Freundschaft gekündigt :) Uns sollte es recht sein. Da war aber auch ein Haken: Benzinmotor 2,5 Turbo mit über 250 PS. Ein Spritsäufer! iel mehr als wir benötigten. Aber das einzige Fahrzeug mit verlässlichem Lebenslauf.





Wieder verliessen wir die Handlung und fuhren nach Hause. Weitere Internet Suche half nichts Es gab einfach nicht mehr. Mindestens mit sauberem Lebenslauf.
Ein paar Tage später holte uns unser Kontraktur S ab zu einer Überraschung in Sachen Auto wie er meinte... Wir fuhren erneut nach Alabang in eine Garage. Dies ist die örtliche ISUZU Vertretung. ISUZU ist eine spanische Marke, welche in Europa nicht bekannt ist. Hier aber ist es ein Marktführer für Dieselfahrzeuge.
Wir schauten uns den neuen ISUZ MU-X SUV an. Ja klar, das war schon das was wir benötigten. Aber einen Neuen wollte ich nicht.
Das Fahrzeug hat ebenfalls 7 Plätze, genügend Leistung (3,0 L Turbo Diesel) und trotzdem verbrauchsarm. Er ht auch noch einen Zentralbildschirm in der Mitte am Dach für die Passagiere :)
Auch ein GPS ist eingebaut.
Nach ein paar Tagen weiteren Abklärungen und nachdenken entschlossen wir uns schweren Herzens, einen neuen ISUZU zu kaufen. Das ist aber nicht so einfach. Denn es warten - wie könnte es hier auch anders sein - jede Menge Kunden auf Neuwagen. Wir wurden informiert, dass unser Fahrzeug schon innert sechs Monaten erhältlich sein wird. Was für einen Tiefschlag. Unser Bekannte S telefonierte in der folge im ganzen Grossraum Manila umher, um ein Fahrzeug früher zu finden. Mit Erfolg! Es wurde uns eine ISUZU MU-X innert Zwei Wochen in Aussicht gestellt.
Nach 2 Wochen kam dann tatsächlich das Fahrzeug bei unserem Haus an. Ein anderes Leben begann...


Unser ISUZU MU-X 3.0 Turbo Diesel

Geräumig einfachster Motor mit wenig Leistung, innen alles mit Hartplastik und nichts drin ausser Navi mit kleinem Bildschirm und elektrischen Fensterhebern. Ah ja noch eine sehr rudimentäre Rückfahrkamera. 




Werkstattbesuche

Auch bei einem Service läuft es hier anders als in Europa:

Selbst bei vorher vereinbartem Termin bedeutet dies: Aufs Gelände fahren und Parkplatz suchen. Ticket ziehen und warten, warten, warten, warten!
Dann Fahrzeug übergeben und warten, warten, warten, warten. Die Filipinos schauen dabei mit stoischer Ruhe TV. Ein Service dauert in etwa 5 Stunden. Dann kommt das Zahlprozedere und Übergabe. Das dauert auch noch eine Stunde...

Bei Karosserieschaden, selbst bei einem Bagatellschaden ist das Fahrzeug für 3-4 Tage weg!