Posts mit dem Label Fahren in den Philippinen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Fahren in den Philippinen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 30. Oktober 2016

Fahren in den Philippinen

Führerschein

Natürlich gilt der Internationale Führerschein in den Philippinen nicht. Dafür ist er ja da :(. Ich bin zwar damit 3 Monate gefahren aber zum Glück nie kontrolliert worden. Lieber Leser, das LTO (Land Transportation Organisation) ist ein Moloch spezieller Art. Man steht im Büro des LTO am Morgen um 07:00 an, um eventuell einen Philippinischen Führerschein zu erhalten. Natürlich wird es Abend werden denn die Menschenmasse ist riesig und erinnert einem an DDR Zeiten. Da stehen und sitzen sie, geduldig Stunde um Stunde ohne Bewegung. Ein Wahnsinn spezieller Art. Wer das noch nie gesehen hat, kann sich dies gar nicht vorstellen. Das Theater geht schon vor dem Büro los. Irgendwelche selbsternannten Parkplatzwächter schassen einem irgendwo eine minimalste Parklücke gegen Entgelt zu. Natürlich hat man nachher links und rechts Beulen und Dellen... Selbst erlebt :(

Mein Kontraktor S organisierte eine Spezialtour für mich. Details möchte ich zum Schutz der Beteiligten hier nicht aufführen. Gegen ein gehöriges Entgelt hatte ich nach 3 Stunden den Führerschein. Zwar  mit falscher Adress aber immerhin :) Gültig ist er fünf Jahre, dann geht der Horror wieder von Vorne los.

Strassen

Die Strassen sind sehr unterschiedlich. Es herrscht rechts Verkehr wie in Europa. Danke an die Amerikaner :). In Laguna, unserer Region sind die Strassen einigermassen gut. Es gibt die Expressways (NLEX, SLEX) MCX usw.) und die National Highways. Die Expressways sind gebührenpflichtig und waren mal einigermassen gut befahrbar. Der Verkehr hat nun auch dort zugenommen und man steht manchmal stunden! Dann ist da noch die fehlende Disziplin ze erwähnen. Hierzulande wird weder ein Tempolimit, noch eine Sicherheitslinie oder andere Signalisationen beachtet. Auf den Expressways gibt es Dutzende von Geschwindigkeit Cams. Diese garantieren grösstenteils ein Einhalten der Höchstgeschwindigkeit - mindestens in der Nähe der Radarfallen -von 100Km. Die rechten Fahrspuren sowie auch die 2. von rechts sind meistens mit groben Löchern gespickt. Da fahren also nur die LKWs. Durch das Fehlen einer Bahn für die Transporte gibt es eine ungeheure Menge von diesen LKWs aller Art. Selbst die langsamen Jeepneys fahren nicht auf diesen beiden Spuren, was den Verkehrsfluss erheblich stört. Gott sei Dank verkehren keine Tricycles auf diesen Strassen...

Auf den Nationalstrassen ist generell die Hölle los. Da wird auf der rechten Spur parkiert und jederzeit einfach angehalten. Die Schrottreifen Läden links und rechts der Strasse benutzen die Fahrspur als Kundenparklpätze! Auf der übrigen Spur verkehren Bikes, Motorräder, Jeepneys, Überlandbusse, Tricycles und natürlich Fussgänger. und eine unglaubliche Anzahl Autos. Fussgängerstreifen gibt es kaum und wenn, sind sie nutz- und wirkungslos. Reine Strassendeko :). Jeder läuft um sein Leben. Dann laufen noch die Schulkinder entlang der Strasse. Gehsteig?
Fehlanzeige. Die kennen nicht mal das Wort!
Stockt der Verkehr auf einer Strassenseite, wird einfach auf die Gegenspur gewechselt, egal ob da jemand kommt oder nicht. Was tut man wenn Fahrzeuge entgegnkommen? Richtig! In der Mitte durch :).
Blinker? Was ist das? zu 90%.
Wenn man stoppen will hält man einfch an und drückt den Warnblinker. Alle 50 Meter steht einer im Weg! Parkieren ist auch kein Problem. Für das ist die rechte Strassenseite. :
Um das Wirrwarr und die undisziplin etwas zu kanalisieren gibts überall sogenannte speed hunps (siehe Bild).



Eine Stunde Autofahren auf der Nationalstrasse ist wie ein Arbeitstag in der Schweiz. Man entsteigt dem Fahrzeug völlig gerädert und oft weist das Fahrzeug auch entsprechende Kampfspuren auf. Eine weitere Spezialität hierzulande ist, wenn man 2 Fahrspuren hat, macht man 4-5 daraus :). Wirklich wahr! Disziplin? Zero!
Übrigens: Sicherheitslinien werden nur dann beachtet, wenn sie aus Betonblöcken bestehen :)

Verkehrsfluss

Einen Verkehrsfluss kennen die Filipinos kaum. Auf den meisten Strassen herrscht ein völliger Verkehrszusammenbruch als permanenter Zustand. Dies ist eines der grössten Probleme in diesem Land!

Ein Beispiel: Unser Wohnort ist 15 Km von der Attraktion Tagaytay (siehe meinen Blog: https://rolfsandjulietstravel.blogspot.com) entfernt. Von uns aus erreicht man diesen Ort unter der Woche und zu nicht Stoss-Verkehrszeiten < in 30- 40 Minuten. Dies ist auch nicht allzu schnell aber die zahlreichen Tricycles reduzieren den Speed auf 40 Km/h. Am 25. Dezember fuhren wir mit unserem Kontraktor S und seiner Freundin nach Batangas 25 Km entfernt etwas nach Tagaytay. Wir waren 11 Stunden im Auto! Alleine für die letzten 2 Km Weg hatten wir 2 Stunden. Der Filipino ist erstaunt wenn ein Europäer das schlecht findet. Für die Filipinos ist das völlig normal und es scheint sogar Spass zu machen :( Andere Länder andere Sitten...

Die schlimmsten Verhältnisse findet man entlang der EDSA Road (Epifania dos Santos). Das ist die einzige Haupt-Verbindungsstraße durch Manila und ein sprichwörtliches Nadelöhr. Nicht selten verbringt ein Reisender schon am frühen Vormittag 5-6 Stunden für ein paar Kilometer Weg. Wie soll da ein geregelter Arbeitsverkehr stattfinden? Da werden schon mal Leute erschossen!! Mit meinem neueren Fahrzeug werde ich niemals dort fahren. Bin ja nicht Lebensmüde. Zum Glück verkehren von Nuvali aus neuere Vans oder einen Van samt Fahrer mieten ohne eigenes Auto :).

Fahren tun hier alle aber keiner kann's. Zumindest kommt einem das so vor! Regeln wie Strassenseiten oder  Vortritt kennt hier keiner. Stoppen kann man diesen Wahnsinn nur mit Betonblöcken. Wo es keine hat wird gefahren. Egal in welcher Richtung: Quer, entgegen dem Verkehrsfluss, etc. 50 Kilometer ohne Beule ist ein absolutes Erfolgserlebnis hier.
Das Resultat: Man bleibt als Europäer lieber zu Hause als sich diesem Horror auszusetzen!

Fahren in Europa ist wie fahren im Ferienheim. Eine Erholung.

Flughafen Manila

Ganz speziell ist auch die Zufahrt zum Flughafen in Manila. An einem Freitag um 20:00 sind wir von unserem Haus in Nuvali, ca. 25 Km vom Flughafen entfernt, mit unserer Tochter und ihrem Freund für den Heimflug in die Schweiz gestartet. Wir wollten frühzeitig dort sein, um uns noch verabschieden zu können.
Der Flug startete 23:55. Die ersten 20 Km liefen gut. Dann aber in unmittelbarer Nähe zum Flughafen lief gar nichts mehr. Stunde um Stunde standen wir an. Passagiere liefen mit dem Gepäck auf der Strasse. Wir standen vor dem letzten Kreisel welcher schlussendlich zum Terminal 3 führte. Aber da war absoluter Stillstand. 
Die Zeit war mittlerweile abgelaufen. 5 Minuten blieben noch für den Checkin!  Unsere Nerven waren am Ende! Kurz vor erreichen des Kreisels fuhr ich mit dem SUV übers Gelände in eine Einbahnstrasse, machten dem Security klar dass dies ein Notfall sei. Wir kamen so in die Nähe des Terminals 3. Das Terminal selber konnten wir aber nicht erreichen. Unserer Tochter und ihrem Freund blieb nichts anderes übrig, als zu Fuss mit dem Gepäck zum Terminal hoch zu laufen. Eine absolute Zumutung!! So etwas habe ich noch von keinem Flughafen auf der ganzen Welt gehört. Eine weitere Verkehrskatastrophe made in Philippines. Da klingt der Slogan: "More fun in the Philippines" wie hohn.
Meine Frau und ich sassen noch Stundenlang vor dem Terminal fest und kamen sage und schreibe um 01:30 zu Haus an ohne den Wagen verlassen zu haben. Es bleibt müssig zu sagen, dass das einzige Parkhaus schon den ganzen Tag lang voll war!

Schon bei der Abholung unserer Tochter spät abends hatte es starken Verkehr. Aber wir konnten mit einer Stunde Verspätung (die hatte die Maschine auch) parkieren und auch wieder wegfahren!

Ich benötigte eine Woche um mich von diesem Horror zu erholen. Ich hatte nächtliche Alpträume deswegen!

Den Flughafen von Manila darf man niemals an Wochenenden und besser nicht am Abend aufsuchen! Bitte so planen!


Stundenlanges Anstehen für ein paar hundert Meter.  Der Alltag in Manila...




Die völlig blockierte Strass an einem Freitag um 00:30 Nachts. Ein besonderer Horror.


Im Mai und Juli vergangenen Jahres holten wir unseren Freund T (Singapore Airlines) ab ohne allzu grosse Katastrophe und brachten ihn auch wieder einigermassen stresslos zurück... Die Flüge waren an einem Montag und um die Mittagszeit.

In den Philippinen lernt der Europäer schnell mal, dass man Ziele sehr genau planen muss und gewisse Zeiten zu 100% meiden. Dann bleibt es einigermassen erträglich. 
Ach ja, investieren Sie in ein sehr sehr gutes Horn :)

Momentan wird eine Entlastungsstrasse oberhalb der alten vor dem Flughafen gebaut. Irgendwann mal wird diese eröffnet (sollte schon seit September 2016 sein :)). Ein kleines Pflästerchen auf die absolute Verkehrsmisere von Manila und der ganzen Region! Aber in anderen Städten hier ist es keinesfalls besser!

Fahrzeuge

Die privaten Autos sind im allgemeinen in einem recht guten Zustand. Natürlich abhängig von der Wohngegend. Bei uns in Nuvali sind besser verdienende Mitarbeiter und die verfügen auch über mehr Geld zur Fahrzeugbeschaffung. Auch in Manila sieht man zahlreiche gut erhaltene oder neue Fahrzeuge. Anders sieht es mit dem Gewerbe aus. Lastwagen und Jeepneys sind eine Katastrophe. Schwarze Rauchfahnen überall. Das Profil längst abgelaufen. Die Bremsen in erbärmlichen Zustand. Auch die Taxis sind eher Ruinen. Ein einziges Fahrzeug zieht eine schwarze russfahne, dass man die Strasse nicht mehr sieht!
Die Motorentechnologie der neuen Fahrzeuge hier beruht auf Technik der 60er Jahre! Dies bedeutet auch, alle 5000 Km einen Service wie zu VW Käfer Zeiten in Europa! Das höchste der Gefühle ist sage und schreibe Euro 4 Norm! Keinen einzigen Kat und keinen einzigen Russfilter! Hallo Greta, hier hättest Du zu tun... Die Ausstattung der Fahrzeuge ist ebenfalls spartanisch gehalten. 2 Airbags ein Navi, eine Rückfahrcam, voila! Einzig an den Aircons wird nicht gespart. Viele SUVs verfügen über 2 verschiedene Kompressoren. Bei der Hitze hier aber ehe als Basics zu betrachten!
Viele Fahren hier einen SUV oder die Sparvariante AUV (Asian Utility Vehicle). Einerseits wegen den Grossfamilien und andererseits wegen den schlechten Strassen. Mit grösseren Rädern und genügend Bodenfreiheit fährt man hier eindeutig besser.